UNGEGENSTÄNDLICHER REALISMUS

Die Vereinnahmung des Betrachterraumes durch bewegte Form und intensive Farbigkeit ist ein bestimmendes Charakteristikum von ANKE EILERGERHARD’S allansichtigen Silikonplastiken. Leichtfüßig wie Seiltänzer trotzen sie der Schwerkraft und gehen auf den Betrachter zu, als suchten sie nach seiner Berührung. Sie verzaubern ihn mit ihrer strahlenden Farbkraft und ihrer einzigartigen, geschmeidigen Oberflächenästhetik.
Farbe, Form und Oberfläche bilden einen Dreiklang, der die Wirkung der Plastiken bestimmt. Dabei kommt der äußeren Beschaffenheit die größte Bedeutung zu. Die Künstlerin spritzt die zig tausenden Sahnehauben aus Silikon einzeln auf, sodass jede einer autonomen Miniplastik gleicht und in ihrer Größe und Drehung leicht unterschiedlich ist.
Sie erschafft unendliche Variationen des gleichen Motivs, die sie wie eine atmende Haut ihren abstrakten, bewegten Gestalten überzieht. Die Gesamtfläche einer beispielsweise 90 cm großen Plastik – für die ca. 180 Silikonkartuschen je 320 ml aufgebraucht werden – kann aufgrund ihrer äußeren Struktur an die 100 m2 betragen. Von Figur zur Figur haben die Tupfer je nach Festigkeit des gewählten Silikons teils zähe, kurze und kräftige Abschlüsse, teils enden sie in langen, weichen Fäden. Diese malerische Vorgehensweise gehört zum Konzept, denn sie ist für die Erscheinung der Figur mitbestimmend, ähnlich wie es die Textur eines Gemäldes sein kann.
Einen klaren Bezug zur Malerei gibt es ferner durch die Farbigkeit die im Dialog mit der Grundform steht und die Wirkung emotional beeinflusst. Diese Verbindung ist nicht zufällig, denn Anke Eilergerhard begann ihren künstlerischen Werdegang in den 1980 er Jahren als Malerin. Bereits in dieser Zeit wollte sie bewusst die Gattungsgrenzen sprengen, indem sie die mit Blumenstoffen bezogene Keilrahmen ihrer Bilder regelrecht aus der Wand wachsen ließ und das gegenständliche Motiv der Torte durch Haptik der Maloberfläche sowie durch das Ineinandergreifen kontrastreicher Farben fast bis zur vollständigen Auflösung optisch vibrieren ließ. Seitdem arbeitet sie in größeren Werkzyklen, die oft parallel zueinander entstehen oder aufeinander Bezug nehmen.
Beginnt der Betrachter die Werke von Anke Eilergerhard zu entschlüsseln, so sucht er nach Orientierung und damit zwangsläufig nach Assoziationen, die er zunächst zu finden glaubt. Das gilt insbesondere für ihre Silikonplastiken. In der Konzeption dieser asymmetrischen, in den Raum ausgreifenden, de facto ungegenständlichen geometrisierten Kompositionen und im Umgang mit der Farbe, die ein vom Gegenständlichen unabhängiges Eigenwert besitzt, sind zum Beispiel Anklänge an die Tradition des russischen Konstruktivismus und der konkreten Kunst zu erkennen. Genauso gut könnte man darin Parallelen zu den allansichtigen Skulpturen des italienischen Barockbildhauers Gianlorenzo Bernini (1598–1680) sehen, der das energische, wilde Ineinanderschlingen einzelner Elemente in den Werken wie der Raub der Persephone (1621–22) oder Apoll und Daphne (1622–25) an die Grenze des Möglichen trieb.
Betrachtet man die Außenstruktur der mit perfekten Sahnehauben plastizierten Figuren von Anke Eilergerhard, so wird die Dominanz des Torten-Motives offensichtlich, das im Werk der Künstlerin von Beginn an präsent ist und ihre Faszination für das sinnliche Vergnügen widerspiegelt. Schließlich sei „eine Torte mit Sahnehaube ein Stück Himmel auf Erden“, wie sie im Jahr 1992 anmerkte. Gerade aufgrund ihrer Oberflächenbeschaffenheit aktivieren Eilergerhard’s Plastiken nicht nur visuelle, sondern auch gustatorische und taktile Wahrnehmung: Es bedarf großer Selbstdisziplin, sich dem spontanen inneren Drang zu widersetzten, sie nicht anzufassen. In dieser konsequenten Erhebung einer Torte zu einem autonomen Kunstmotiv werden die Überschneidungen mit der Pop Art erkennbar, welche die formale Schönheit banaler Alltagsgegenstände in den Mittelpunkt rückt und diese in Serien variiert.
Das Letztere gilt im noch höheren Maße für Eilergerhard’s mit fragiler Leichtigkeit erfüllten Keramikplastiken wie das DENKMAL (2011), das aus zahlreichen, sorgfältig ausgewählten Tassen – genauer gesagt keramischen Fundstücken aus Ost- und Westdeutschland – zu einer fantastischen Wirbel-Konstruktion zusammengesetzt wurde. Der Künstlerin geht es hier jedoch nicht um die Ironisierung des Kunstmarktes oder der Konsumgesellschaft, sondern um abstrakte Themen wie Zeit, Vergänglichkeit und Schönheit. Sie fokussiert sich auf die ambivalente Dynamik der eleganten, rasant fallenden und zugleich schwungvoll emporsteigenden Bewegung, die sie in einer Momentaufnahme festhält.
Deswegen kann der gewöhnliche Einordungsmechanismus dem Betrachter nur als Stütze dienen, aber keine Antworten liefern. Die Kunst von Eilergerhard bedarf nämlich aufgrund ihrer sowohl realistischen als auch ungegenständlichen Komponenten eines neuen Terminus: ungegenständlicher Realismus.
Die assoziative Namensgebung von Eilergerhard’s abstrakten Figuren, die eine weitere realistische Ebene öffnet, erfolgt teils nach der Fertigstellung unter dem unmittelbaren intuitiven Eindruck der äußeren Erscheinung, teils werden die Erscheinung und der Name durch bestimmte visuelle, räumliche, thematische oder biografische Zusammenhänge definiert. Die Entstehung der imposanten JOSEFA AUGUSTA (2015) geht zum Beispiel auf die Einzelausstellung der Künstlerin Never Dying Flowers in der Orangerie des Schlosses Schwetzingen im Jahr 2015 zurück. Diese einstige Residenz des Kurfürsten Karl Philipp Theodor (1724–1799) ist einer der größten barocken Schlossanlagen in ganz Europa. Karl Theodor selbst ging in die Geschichte nicht etwa als Kriegsherr sondern als einer der wichtigsten Förderer von Künsten und Wissenschaften ein, sodass der genius loci der Schloss- und Parkanlage Anke Eilergerhard in ihrer Entscheidung, in Schwetzingen auszustellen, bestärkte.
Das Eheleben Karl Theodors verlief allerdings weniger glanzvoll. 1742 heiratete er im Alter von nur 17 Jahren seine vier Jahre ältere und dominant auftretende Cousine Elisabeth Augusta: eine Verbindung, die weder glücklich war, noch einen Nachfolger dem Kurfürsten bescherte. Es wäre aber falsch zu behaupten, dass der Kurfürst stets unter Mangel weiblicher Aufmerksamkeit litt. Eine seiner Mätressen war die kluge, aufrichtige, hilfsbereite und sanftmütige Maria Josefa Seyfert, die ihm während ihrer sechsjährigen Beziehung vier Kinder schenkte, nach der letzten Geburt von Zwillingen jedoch leider verstarb.
Eilergerhards JOSEFA AUGUSTA, in der die positiven Eigenschaften beider Frauen sich im Sinne einer Pfropfung vereinen, wäre für Karl Theodor sicherlich eine ideale Gefährtin gewesen. Sie hält sich aufrecht, selbstsicher und vornehm wie eine Herrscherin. Ihr aufwändiges Gewand besitzt einen gleichmäßigen, aufsteigenden Rhythmus und eine satte, leicht kühle türkisgrüne Farbe, die den Eindruck von Harmonie, Ruhe, Milde und Zurückhaltung vermittelt. Diese noble Erhabenheit in Verbindung mit einem hohen Grad an femininer Ausstrahlung, welche in ihren vielen prallen Rundungen zum Ausdruck kommt, ruft Reminiszenzen an das berühmte Votivbild der mehrbrüstigen römischen Gottheit Diana von Ephesus hervor, die in der Antike für die Alles ernährende Kraft der Natur stand.
Die Namen von Eilergerhards Figuren verdeutlichen dass jede von ihnen, obwohl abstrakt, ihre eigene Persönlichkeit besitzt. Die in weichem mildem Rosa gestaltete LILLY (2015) ist verspielt, erotisch und beweglich wie eine Bauchtänzerin, während die leuchtend rote, kecke LETIZIA (2014) stolz ihre prächtigen kugeligen Formen zur Schau stellt. Auch die Arbeiten aus dem Zyklus WIRBELWINDE (2009–heute) evozieren trotz formaler Ähnlichkeit eine sehr individuelle Wirkung.
Ähnlich wie die großen Figuren sind die kleineren Plastiken der Künstlerin einer ständigen Bewegung oder gar Metamorphose unterworfen. Die zylindrischen COLOR RADOS (2010–12) scheinen trotz der statischen Silhouette zu pulsieren, was auf den fast aggressiven Kontrast zwischen schwarzem Inneren und farbigem Äußeren, auf das dynamische Nebeneinander geschmeidiger Silikonstacheln sowie auf die variierende Breite der inneren Öffnungen zurückzuführen ist. Die Wandplastiken CROWNS (2015/16) lassen ihre phallisch wirkenden Tentakel in den Raum hineinbohren, aufsteigen oder sich zurückziehen. Die den fantastischen Meeresblumen ähnelnde kinetischen Stücke aus der HIMMLISCH-Serie (2015/16) balancieren elegant und schwerelos auf ihren kugeligen Körpern. Gleichzeitig sind diese abstrakten Stehaufmännchen ein humorvolles Kommentar zur Resilienz eines Künstlers.
Dr. Tanja Malycheva

UNGEGENSTÄNDLICHER REALISMUS
Dr. Tanja Malycheva, Berlin, 2016

UNGEGENSTÄNDLICHER REALISMUS

Die Vereinnahmung des Betrachterraumes durch bewegte Form und intensive Farbigkeit ist ein bestimmendes Charakteristikum von ANKE EILERGERHARD’S allansichtigen Silikonplastiken. Leichtfüßig wie Seiltänzer trotzen sie der Schwerkraft und gehen auf den Betrachter zu, als suchten sie nach seiner Berührung. Sie verzaubern ihn mit ihrer strahlenden Farbkraft und ihrer einzigartigen, geschmeidigen Oberflächenästhetik.
Farbe, Form und Oberfläche bilden einen Dreiklang, der die Wirkung der Plastiken bestimmt. Dabei kommt der äußeren Beschaffenheit die größte Bedeutung zu. Die Künstlerin spritzt die zig tausenden Sahnehauben aus Silikon einzeln auf, sodass jede einer autonomen Miniplastik gleicht und in ihrer Größe und Drehung leicht unterschiedlich ist.
Sie erschafft unendliche Variationen des gleichen Motivs, die sie wie eine atmende Haut ihren abstrakten, bewegten Gestalten überzieht. Die Gesamtfläche einer beispielsweise 90 cm großen Plastik – für die ca. 180 Silikonkartuschen je 320 ml aufgebraucht werden – kann aufgrund ihrer äußeren Struktur an die 100 m2 betragen. Von Figur zur Figur haben die Tupfer je nach Festigkeit des gewählten Silikons teils zähe, kurze und kräftige Abschlüsse, teils enden sie in langen, weichen Fäden. Diese malerische Vorgehensweise gehört zum Konzept, denn sie ist für die Erscheinung der Figur mitbestimmend, ähnlich wie es die Textur eines Gemäldes sein kann.
Einen klaren Bezug zur Malerei gibt es ferner durch die Farbigkeit die im Dialog mit der Grundform steht und die Wirkung emotional beeinflusst. Diese Verbindung ist nicht zufällig, denn Anke Eilergerhard begann ihren künstlerischen Werdegang in den 1980 er Jahren als Malerin. Bereits in dieser Zeit wollte sie bewusst die Gattungsgrenzen sprengen, indem sie die mit Blumenstoffen bezogene Keilrahmen ihrer Bilder regelrecht aus der Wand wachsen ließ und das gegenständliche Motiv der Torte durch Haptik der Maloberfläche sowie durch das Ineinandergreifen kontrastreicher Farben fast bis zur vollständigen Auflösung optisch vibrieren ließ. Seitdem arbeitet sie in größeren Werkzyklen, die oft parallel zueinander entstehen oder aufeinander Bezug nehmen.
Beginnt der Betrachter die Werke von Anke Eilergerhard zu entschlüsseln, so sucht er nach Orientierung und damit zwangsläufig nach Assoziationen, die er zunächst zu finden glaubt. Das gilt insbesondere für ihre Silikonplastiken. In der Konzeption dieser asymmetrischen, in den Raum ausgreifenden, de facto ungegenständlichen geometrisierten Kompositionen und im Umgang mit der Farbe, die ein vom Gegenständlichen unabhängiges Eigenwert besitzt, sind zum Beispiel Anklänge an die Tradition des russischen Konstruktivismus und der konkreten Kunst zu erkennen. Genauso gut könnte man darin Parallelen zu den allansichtigen Skulpturen des italienischen Barockbildhauers Gianlorenzo Bernini (1598–1680) sehen, der das energische, wilde Ineinanderschlingen einzelner Elemente in den Werken wie der Raub der Persephone (1621–22) oder Apoll und Daphne (1622–25) an die Grenze des Möglichen trieb.
Betrachtet man die Außenstruktur der mit perfekten Sahnehauben plastizierten Figuren von Anke Eilergerhard, so wird die Dominanz des Torten-Motives offensichtlich, das im Werk der Künstlerin von Beginn an präsent ist und ihre Faszination für das sinnliche Vergnügen widerspiegelt. Schließlich sei „eine Torte mit Sahnehaube ein Stück Himmel auf Erden“, wie sie im Jahr 1992 anmerkte. Gerade aufgrund ihrer Oberflächenbeschaffenheit aktivieren Eilergerhard’s Plastiken nicht nur visuelle, sondern auch gustatorische und taktile Wahrnehmung: Es bedarf großer Selbstdisziplin, sich dem spontanen inneren Drang zu widersetzten, sie nicht anzufassen. In dieser konsequenten Erhebung einer Torte zu einem autonomen Kunstmotiv werden die Überschneidungen mit der Pop Art erkennbar, welche die formale Schönheit banaler Alltagsgegenstände in den Mittelpunkt rückt und diese in Serien variiert.
Das Letztere gilt im noch höheren Maße für Eilergerhard’s mit fragiler Leichtigkeit erfüllten Keramikplastiken wie das DENKMAL (2011), das aus zahlreichen, sorgfältig ausgewählten Tassen – genauer gesagt keramischen Fundstücken aus Ost- und Westdeutschland – zu einer fantastischen Wirbel-Konstruktion zusammengesetzt wurde. Der Künstlerin geht es hier jedoch nicht um die Ironisierung des Kunstmarktes oder der Konsumgesellschaft, sondern um abstrakte Themen wie Zeit, Vergänglichkeit und Schönheit. Sie fokussiert sich auf die ambivalente Dynamik der eleganten, rasant fallenden und zugleich schwungvoll emporsteigenden Bewegung, die sie in einer Momentaufnahme festhält.
Deswegen kann der gewöhnliche Einordungsmechanismus dem Betrachter nur als Stütze dienen, aber keine Antworten liefern. Die Kunst von Eilergerhard bedarf nämlich aufgrund ihrer sowohl realistischen als auch ungegenständlichen Komponenten eines neuen Terminus: ungegenständlicher Realismus.
Die assoziative Namensgebung von Eilergerhard’s abstrakten Figuren, die eine weitere realistische Ebene öffnet, erfolgt teils nach der Fertigstellung unter dem unmittelbaren intuitiven Eindruck der äußeren Erscheinung, teils werden die Erscheinung und der Name durch bestimmte visuelle, räumliche, thematische oder biografische Zusammenhänge definiert. Die Entstehung der imposanten JOSEFA AUGUSTA (2015) geht zum Beispiel auf die Einzelausstellung der Künstlerin Never Dying Flowers in der Orangerie des Schlosses Schwetzingen im Jahr 2015 zurück. Diese einstige Residenz des Kurfürsten Karl Philipp Theodor (1724–1799) ist einer der größten barocken Schlossanlagen in ganz Europa. Karl Theodor selbst ging in die Geschichte nicht etwa als Kriegsherr sondern als einer der wichtigsten Förderer von Künsten und Wissenschaften ein, sodass der genius loci der Schloss- und Parkanlage Anke Eilergerhard in ihrer Entscheidung, in Schwetzingen auszustellen, bestärkte.
Das Eheleben Karl Theodors verlief allerdings weniger glanzvoll. 1742 heiratete er im Alter von nur 17 Jahren seine vier Jahre ältere und dominant auftretende Cousine Elisabeth Augusta: eine Verbindung, die weder glücklich war, noch einen Nachfolger dem Kurfürsten bescherte. Es wäre aber falsch zu behaupten, dass der Kurfürst stets unter Mangel weiblicher Aufmerksamkeit litt. Eine seiner Mätressen war die kluge, aufrichtige, hilfsbereite und sanftmütige Maria Josefa Seyfert, die ihm während ihrer sechsjährigen Beziehung vier Kinder schenkte, nach der letzten Geburt von Zwillingen jedoch leider verstarb.
Eilergerhards JOSEFA AUGUSTA, in der die positiven Eigenschaften beider Frauen sich im Sinne einer Pfropfung vereinen, wäre für Karl Theodor sicherlich eine ideale Gefährtin gewesen. Sie hält sich aufrecht, selbstsicher und vornehm wie eine Herrscherin. Ihr aufwändiges Gewand besitzt einen gleichmäßigen, aufsteigenden Rhythmus und eine satte, leicht kühle türkisgrüne Farbe, die den Eindruck von Harmonie, Ruhe, Milde und Zurückhaltung vermittelt. Diese noble Erhabenheit in Verbindung mit einem hohen Grad an femininer Ausstrahlung, welche in ihren vielen prallen Rundungen zum Ausdruck kommt, ruft Reminiszenzen an das berühmte Votivbild der mehrbrüstigen römischen Gottheit Diana von Ephesus hervor, die in der Antike für die Alles ernährende Kraft der Natur stand.
Die Namen von Eilergerhards Figuren verdeutlichen dass jede von ihnen, obwohl abstrakt, ihre eigene Persönlichkeit besitzt. Die in weichem mildem Rosa gestaltete LILLY (2015) ist verspielt, erotisch und beweglich wie eine Bauchtänzerin, während die leuchtend rote, kecke LETIZIA (2014) stolz ihre prächtigen kugeligen Formen zur Schau stellt. Auch die Arbeiten aus dem Zyklus WIRBELWINDE (2009–heute) evozieren trotz formaler Ähnlichkeit eine sehr individuelle Wirkung.
Ähnlich wie die großen Figuren sind die kleineren Plastiken der Künstlerin einer ständigen Bewegung oder gar Metamorphose unterworfen. Die zylindrischen COLOR RADOS (2010–12) scheinen trotz der statischen Silhouette zu pulsieren, was auf den fast aggressiven Kontrast zwischen schwarzem Inneren und farbigem Äußeren, auf das dynamische Nebeneinander geschmeidiger Silikonstacheln sowie auf die variierende Breite der inneren Öffnungen zurückzuführen ist. Die Wandplastiken CROWNS (2015/16) lassen ihre phallisch wirkenden Tentakel in den Raum hineinbohren, aufsteigen oder sich zurückziehen. Die den fantastischen Meeresblumen ähnelnde kinetischen Stücke aus der HIMMLISCH-Serie (2015/16) balancieren elegant und schwerelos auf ihren kugeligen Körpern. Gleichzeitig sind diese abstrakten Stehaufmännchen ein humorvolles Kommentar zur Resilienz eines Künstlers.
Dr. Tanja Malycheva

UNGEGENSTÄNDLICHER REALISMUS
Dr. Tanja Malycheva, Berlin, 2016

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